Akteurinnen und Akteure identifizieren und Interviews vorbereiten

Im folgenden Abschnitt finden Sie eine praxisnahe Anleitung zur strukturierten Vorbereitung und Durchführung von Interviews.

Die Inhalte sind auf Basis von den unten aufgeführten Quellen entstanden.

Anleitung

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Relevante Akteurinnen und Akteure identifizieren

Zu Beginn wird ein Überblick über alle relevanten Akteurinnen und Akteure geschaffen. Ziel ist es, Personen oder Gruppen zu identifizieren, die von der Regelung betroffen sind oder an ihrer Umsetzung beteiligt sind. Dazu gehören sowohl direkt betroffene Akteure als auch solche, die vorbereitende, unterstützende oder steuernde Aufgaben übernehmen.

Eine Einteilung nach Rollen hilft Ihnen dabei, die Akteurinnen und Akteure systematisch zu ordnen:

  • Wer setzt den Rechtsrahmen? Akteurinnen und Akteure, die Gesetze oder Regelungen gestalten oder beeinflussen (z.B. Gerichte, EU-Institutionen).
  • Wer setzt das Gesetz um? Akteurinnen und Akteure, die die praktische Umsetzung übernehmen (z.B. Behörden, Vollzugsstellen, private Träger).
  • Wen betrifft das Gesetz? Akteurinnen und Akteure, die direkt betroffen sind (z.B. Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen).
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Halten Sie die Akteurinnen und Akteure in einer Übersicht fest

Im nächsten Schritt werden die identifizierten Akteurinnen und Akteure in einer Übersicht festgehalten. Diese dient als Arbeitsgrundlage für die weitere Interviewplanung und hilft, unterschiedliche Perspektiven gezielt abzudecken.

Nutzen Sie die folgende Tabellen, um die Ebenen von Betroffenheit und Vollzug präzise abzubilden und relevante Interview-Partnerinnen und Partner zu identifizieren.

Leitfragen zur Auswahl:

  • Betroffenheit: Wer ist unmittelbar oder mittelbar von der Regelung betroffen? Und wer ist wie stark betroffen?
  • Entscheidungskompetenz: Wer entscheidet oder beeinflusst Entscheidungen im Vollzug?
  • Relevanz: Welche Akteure verfügen über besonderes Fachwissen oder praktische Erfahrung?
  • Zielsetzung: Welches Wissen soll konkret erschlossen werden?
  • Praxisnähe Wer kann konkrete Auswirkungen und Herausforderungen beschreiben?

Tipp: Kooperationen mit Verbänden oder Gewerkschaften erleichtern den Zugang zu spezifischen Zielgruppen - insbesondere bei schwer erreichbaren Akteurinnen und Akteuren wie Leistungsempfängern.

Schematische Darstellung der Vorlage mit dunkelblauen Blöcken mit den Aufschriften Akteursgruppe, Staatlich und Privatwirtschaft

Vorlage

Akteure auflisten

Nutzen Sie diese Tabelle zur systematischen Erfassung und Gewichtung Ihrer Gesprächspartnerinnen und -partner. Dokumentieren Sie hier die Relevanz und den angestrebten Erkenntnisgewinn auf Basis der Leitfragen.

Schematische Darstellung der Vorlage mit einer blauen Spalten mit dem Titel Betroffenheit und einer gelben Spalte mit dem Titel Gruppengröße

Vorlage

Zielgruppe analysieren

Nutzen Sie die Vorlage zum Zielgruppen-Profil aus dem Bürgercheck, um die Bedürfnisse der betroffenen Akteurinnen und Akteure (Normadressaten) tiefgreifend zu verstehen und diese gezielt zu priorisieren.

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Passende Interviewmethode wählen

Basierend auf Ihrer Übersicht der Akteurinnen und Akteure, können Sie eine passende Interviewmethode wählen. Je nach Zielsetzung, Projektphase und Informationsbedarf eignen sich unterschiedliche Formen:

Quantitative Interviews

Quantitative Interviews dienen der Überprüfung bestehender Annahmen.

Sie arbeiten mit standardisierten Fragen und vorgegebenen Antwortoptionen, um vergleichbare und statistisch auswertbare Daten zu erheben. Geeignet zur Messung von Häufigkeiten und Verteilungen.

Qualitative Interviews

Qualitative Interviews dienen der Gewinnung neuer Erkenntnisse.

Sie machen Erfahrungen, Perspektiven und Zusammenhänge sichtbar und ermöglichen ein vertieftes Verständnis der Praxis. Die Fragen sind offen, der Gesprächsverlauf flexibel.

Diese lassen sich nochmal unterscheiden:

  • Standardisiertes Leitfaden-Interview: Das Interview folgt einem festen, vorab definierten Fragenkatalog. Abweichungen sind nicht vorgesehen. Es eignet sich, wenn relevante Informationen bereits bekannt sind und systematisch erhoben werden sollen.
  • Halb-standardisiertes Leitfaden-Interview: Ein Interviewleitfaden gibt die Themen vor, lässt aber Spielraum in Reihenfolge und Formulierung der Fragen. Das Format ermöglicht gezielte Vertiefungen und neue Erkenntnisse bei gleichzeitig überschaubarem Auswertungsaufwand.
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Gespräche durchführen

Nach der Vorbereitung laden Sie Ihre Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner zum Interview ein und treten in den direkten Dialog. Ziel ist es, durch gezieltes Nachfragen die tatsächliche Umsetzungspraxis zu verstehen und blinde Flecken im Vollzug aufzudecken. Das Interview gliedert sich in drei Phasen:

Kontaktphase: Schaffen Sie eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre. Erläutern Sie nach der Begrüßung kurz Zweck, Ziele und Ablauf des Interviews.

Erhebungsphase: Beginnen Sie mit offenen Fragen und vertiefen Sie diese gezielt entlang Ihres Leitfadens. Achten Sie auf eine ausgewogene Kombination aus offenen und geschlossenen Fragen. Behandelt werden:

  • Kontext: Aufgaben und Abläufe klären
  • Erfahrungen: Probleme und Stärken identifizieren
  • Analyse: Ursachen herausarbeiten
  • Lösungen: Ansätze und Potenziale bewerten

Ausklang & Dokumentation: Fassen Sie nach jedem Themenblock die zentralen Inhalte zusammen und dokumentieren Sie diese parallel zum Gespräch. Zum Abschluss danken Sie Ihrem Gegenüber und informieren über das weitere Vorgehen, um eine positive Grundlage für zukünftige Gespräche zu schaffen.

Weiterführende Quelle: Orghandbuch des BMI 2026

Für die parallele Dokumentation bieten sich folgende Formen an:

Wortgetreues Transkript

Beim Transkript wird das Interview vollständig und möglichst wortgetreu verschriftlicht.

Vorteile:
  • hohe Genauigkeit und Nachvollziehbarkeit
  • detaillierte Auswertung auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich
  • besonders geeignet bei komplexen oder sensiblen Themen
Nachteile:
  • sehr zeit- und ressourcenintensiv
  • hoher Aufwand bei Datenschutz und Anonymisierung
Inhaltsnahe Mitschrift / Ergebnisprotokoll

Hierbei werden die zentralen Aussagen, Argumente und Beispiele während oder unmittelbar nach dem Interview schriftlich festgehalten.

Vorteile:
  • deutlich geringerer Aufwand
  • schnelle Weiterverarbeitung der Ergebnisse
  • gut geeignet bei klarer Fragestellung und begrenzter Interviewanzahl
Nachteile:
  • geringere Detailtiefe
  • stärkere Abhängigkeit von der Interpretation der interviewführenden Person
Audioaufzeichnung

Das Interview wird aufgezeichnet und bei Bedarf später ausgewertet oder teilweise transkribiert.

Voraussetzungen dafür sind:
  • vorherige ausdrückliche Einwilligung der befragten Person
  • klare Regelung zur Speicherung, Nutzung und Löschung
Vorteile:
  • Entlastung während des Gesprächs
Nachteile:
  • Möglichkeit, Aussagen später zu überprüfen
  • Transkription und spätere Auswertung bedeuten einen großen zeitlichen Invest
Videoaufzeichnung

Videoaufzeichnungen in der Praxis Videoformate sind aufgrund des hohen Datenschutz-Aufwands selten. Prüfen Sie vorab, ob die Relevanz für die Regelungserarbeitung den Aufwand rechtfertigt.

Voraussetzungen dafür sind, dass:
  • Vertraulichkeit zugesichert und eingehalten wird,
  • personenbezogene Daten anonymisiert werden,
  • die Befragten über Art und Zweck der Dokumentation informiert sind.
Vorteile:
  • zusätzliche Informationen durch Mimik und Gestik
Nachteile:
  • hohe Hemmschwelle für Befragte
  • erhöhter Datenschutz- und Organisationsaufwand
  • meist nicht erforderlich für die Regelungserarbeitung
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Auswerten

In mehreren Gesprächen mit einer Dauer von 45 - 60 Minuten kommen eine Menge Informationen zusammen. Im Anschluss werden die gesammelten Informationen ausgewertet. In der Regel lassen sich aus mehreren Gesprächen zentrale Muster, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren ableiten. Nutzen Sie ggf. die Methode Individuelle Gesprächsauswertung, um Schlüsselaspekte herauszuarbeiten.

Alles auf einem Blick: Kompakte Checkliste zur Interviewführung

Nutzen Sie diese Zusammenfassung, um die methodische Qualität Ihrer Interviews abzusichern und eine lückenlose Vorbereitung sowie Nachbereitung sicherzustellen.

Schematische Darstellung der Checkliste mit dem Titel Ablaufplan: Stakeholder-Interviews und Elementen zum  Abhaken

Vorlage

Checkliste

Die Checkliste bündelt die wichtigsten Handlungsempfehlun­gen für Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung.

Relevante Quellen

Nutzen Sie diese Zusammenfassung, um die methodische Qualität Ihrer Interviews abzusichern und eine lückenlose Vorbereitung sowie Nachbereitung sicherzustellen.